88 TRADITION & Brauchtum Stiller Star Der gelbe Enzian wirkt unscheinbar, aber er hat es in sich. Fotos: Marco Rossi/Servus amMarktplatz. Illus: StockAdobe/canicula, Hein Nouwens Welche Haare eignen sich? Vorwiegend Gams-, Hirsch- und Dachshaar. Alle sehen kuschelig aus – aber: Anfassen ist strengstens verboten! Aufbewahrung: hängend, dunkel und vor Motten geschützt. Seit wann gibt es Wildbärte? Seit dem 19. Jahrhundert. Die Jäger führten sie als Trophäe ein. Heute sind sie in Österreich und Bayern verbreitet. In der Schweiz hat sich der Brauch dagegen nie etabliert. Wo kann ich das lernen? Es gibt keine Ausbildung. Der Könner zeigt demNeuling die Grundlagen. Der Rest ist Eigenleistung. Ehrgeizige melden sich zur Gamsbart-Olympiade an. Sie fi ndet alle vier Jahre in Mittenwald statt, zuletzt im Jahr 2022. Gibt es Qualitätsmerkmale? Das Gewicht: Ein echter wiegt nur ca. 50 g, denn das Haar ist hohl. Der Preis: Ab 990 Euro aufwärts; je länger das Haar, umso wertvoller. Billige Ware ist gefärbt, enthält anderes Haar oder ist synthetisch. Bertl Lahnsteiners Bärte fi nden Sie unter servusmarktplatz.com DER BART AUF DEMHUT Wissenswertes Gelegentlich stammen sie auch von der Geiß, vom Dachs oder sogar vom Hirsch. Wobei gerade letzterer immer seltener zu haben ist. SELBST IST DER BARTBINDER Wie alle seine Kollegen, hat auch Bertl Lahnsteiner sich einen Lehrmeister suchen müssen, angeregt durch den Opa, der ihm ein paar Grannen zum Probieren in die Hand drückte. Seine Lehre absolvierte Bertl Lahnsteiner dann im Jahr 1983, und sie dauerte ganze 60 Minuten. Einmal die Grundlagen zeigen, das musste reichen. Den Rest brachte der gelernte Zimmermann sich selbst bei, wie viele seiner Bartbinder-Kollegen. Er muss aber schon ein besonderes Gespür für die Materie mitgebracht haben. Denn nur zwei Jahre später reichte er sein Werk bei der traditionellen Gamsbart-Olympiade in Mittenwald ein, bei der jeder Besitzer seinen Bart vorstellen kann – und gewann prompt den ersten Platz. Ordnung Exakt sortierte Grannen, in Büschel gefasst. Geduld Rund 150 Stunden sitzt Bertl Lahnsteiner an einem Bart. Einmal die Grundlagen zeigen muss reichen – der Rest ist selbst gelernt. Der Reif Diese hellen Haarspitzen machen die Aalstrichhaare der Gams besonders.
RkJQdWJsaXNoZXIy NDEzNzE=