Land Leben 3/24

87 GAMSBARTBINDER Fester Halt für feines Haar – Bertl Lahnsteiner betreibt seinHandwerkmit Feingefühl und flinken Fingern. TEXT: Dorea Dauner • FOTOS: Marco Rossi Zu Besuch beim S eine Arbeit ist ständig in Gefahr: Nur ein falscher Handstreich, und alles ist futsch. So ein Gamsbart erfordert nicht nur viel Geduld und Fingerfertigkeit. Das fertige Prachtstück will auch mit Respekt behandelt werden. Immerhin bis zu 40.000 Gamshaare steckt man sich damit an den Hut. Aber keineswegs irgendwelche. Ganz spezielle müssen es sein. NUR FÜNF VON 100 Gemeint ist das sogenannte Grannenhaar, das lange Rückenhaar des Aalstrichs einer Gämse. Die Spitzen sind hell, das nennt der Fachmann „Reif“. Nur fünf von etwa hundert Böcken entwickeln diesen begehrten hellen Streifen entlang der Wirbelsäule; entsprechend begehrt sind diese feinen seidigen Strähnen. Künstlich färben ginge gegen die Ehre. Auch wenn das Handwerk fast ausgestorben ist – es gibt nur noch wenige Wildbartbinder – ganz alleine ist Bertl Lahnstein nicht. Die meisten seiner Kollegen bekommen ihre Haare von Jägern ihrer Region. Und nicht immer müssen es Gamsbockhaare sein. Das Jagdschloss Offensee IKONE AUS STEIN Rechts Große Hände, feine Arbeit: Beim Binden sind sensible Finger gefragt. Unten Die Jagd auf die Bergziege hat eine lange Tradition. So ikonisch wie der Bart ist für die Gegend das Jagdschloss Off ensee.

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