Land Leben 1/24

102 Eigentlich sind Tagebücher ja nichts Neues. Seit der Renaissance dienen sie uns Menschen schon dazu, Erinnerungen festzuhalten und über Erlebtes nachzudenken. Ob in Karton oder gar in Leder gebunden, darin schlägt sich all das nieder, was uns im Alltag (be)merkenswert erscheint: Jede Seite anders als die vorangegangene, genau so eben, wie jeder Tag neue Eindrücke mit sich bringt. GUT FÜR DIE SEELE Inzwischen landen natürlich nicht nur Worte auf dem Papier, sondern auch Zeichnungen, Sticker und Stempel. Das so genannte „Scrapbooking“ (Sammelalben fertigen) oder „Bullet-journaling“ (KalenderTagebuch erstellen) sieht nicht nur hübsch aus, es tut auch der Seele gut. Niemand weiß das besser als Suzy Sardogan. Die Holländerin hat dieses kreative Feld vor ein paar Jahren für sich entdeckt. „Ich hab TRADITION & Brauchtum Spitze Feder, bildschöne Seiten: Auch schöne Füller inspirieren zu kreativen Höhenfl ügen. Stiller Star Der gelbe Enzian wirkt unscheinbar, aber er hat es in sich. Fotos : Suzy‘s Craftery Was ist ein Bullet Journal? Ursprünglich war es eine Art Kalender oder Organizer mit loser Einteilung. Inzwischen gestalten das viele ganz kreativ, ummehr Achtsamkeit ins Leben zu bringen. Für wen eignet sich das? Weil es so viele Freiheiten lässt, eigentlich für jeden, der Sinn fürs Analoge hat: Leute, die gerne präzise Pläne entwerfen oder solche, die ihre Gefühle zumAusdruck bringen möchten. Als Psychologin sehe ich noch mehr Vorteile: Für ADHS-Betroff ene ist es ein gutes Mittel, m hr Kontrolle über ihren Tagesablauf zu gewinnen. Depressiv n kann es helfen, sich auf positive Dinge zu konzentrieren. Wie fange ich am besten an? So einfach oder kompliziert, wie du magst. Mit einem einfachen Notizbuch, einem Bleistift oder einem Kugelschreiber zum Beispiel. Wer gerne zeichnet, kann das integrieren, wer Kalligraphie und „Handlettering” liebt, greift zu Pinsel und Tusche. Oder Collagen mit Fotos, Washi-Tape und Stempeln. Inspirationen & Tutorials fi nden Sie auf: suzyscraftery.nl 3 FRAGEN AN Suzy Craftery es zunächst als eine Art Werkzeug benutzt, um mein Leben produktiver zu gestalten“, verrät sie. Sie notierte Ziele und versuchte, ganz allgemein ihr Leben zwischen Studium, Arbeit und einem Kleinkind besser zu organisieren. Wenig später wurde aus To-do-Listen ein kreatives Hobby mit Mehrwert: mit Füllfederhalter, Tinte, Wasserfarben und Reisefotos. Heute braucht Suzy etwa zwei Stunden, um eine Seite zu gestalten. LAUTER GUTE GRÜNDE Als studierte Psychologin weiß sie, dass solche kreativen Notizen helfen können, die Seele zu sortieren und eine neue, positivere Perspektive auf das Leben und sich selbst zu entwickeln. Deshalb empfiehlt sie diese Form des Sortierens auch den Menschen, die sie beruflich betreut. „Als Psychologin sehe ich natürlich, dass es zu unserer mentalen Gesundheit beitragen kann.“ So viele Vorteile also. Sind das nicht gute Gründe, es selbst zu versuchen? Suzys Gedanken nehmen Gestalt auf Papier an.

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